Zur Geschichte der
Weissenhofsiedlung
Weissenhofsiedlung Stuttgart
1927 fand unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe die Ausstellung Die Wohnung statt. 17 Architekten wurden eingeladen, um auf dem Stuttgarter Killesberg ein mustergültiges Wohnprogramm vorzustellen. Der Deutsche Werkbund, ein Zusammenschluss von Architekten und Industriellen, veranstaltete die Ausstellung, die 21 Häuser mit insgesamt 63 Wohnungen zeigte. Die folgenden Architekten waren am Projekt des Neuen Bauens beteiligt: Peter Behrens, Victor Bourgeois, Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Richard Döcker, Josef Frank, Walter Gropius, Ludwig Hilbersheimer, Ludwig Mies van der Rohe, Jakobus Johannes Pieter Oud, Hans Poelzig, Adolf Rading, Hans Scharoun, Adolf Gustav Schneck, Mart Stam, Bruno Taut und Max Taut. Schmucklos, ohne Ornament bildet die kubische Architektur der Weissenhofsiedlung ein Kleinod moderner Baukunst. Ihre Sprache ist auf die reinste Form der Grammatik beschränkt, so dass die Gebäude ohne Verkleidung das Zeugnis einer revolutionären architektonischen Konzeption darstellen. Dabei sollte ein Minimum an Form dem modernen Menschen ein Maximum an Freiheit gewährleisten. Die Form folgt hier der Funktion. Diese Formel bildet das Richtmass für die Architektur der Weissenhofsiedlung, die die Bauaufgabe verfolgte, die Wohnung des modernen Grosstadtmenschen zu schaffen. Interessant sind dabei jedoch die verschiedenartigen konzeptuellen Provenienzen der Architekten. So erscheinen die Gebäude auf den ersten Blick in ihrer Phänomenologie einem einheitlichen Typus zu entsprechen. Es stellt sich jedoch heraus, dass Formstrenge, Schlichtheit und Reduktion das Ergebnis unterschiedlicher ästhetischer Positionen ist. Peter Behrens kommt von der expressionistischen Architektur, Walter Gropius verfolgt die Utopie der Versöhnung von Kunst und Leben, und Le Corbusier zeigt sich beispielsweise als ausgezeichneter Kenner der Architekturgeschichte, der seine Häuser nach ästhetischen Kategorien der Ponderation und Massverhältnisse komponierte. Die Weissenhofsiedlung vereint somit verschiedenartige Lösungen in bezug auf Raumaufteilung, Wohnfunktionen, Baustoffe und Baumethoden. Die Nationalsozialisten erklärten die Weissenhofsiedlung zum Schandfleck Stuttgarts. Die Architekten wurden als Vertreter des Kultur Bolschewismus diffamiert. Nach Kriegsende wurde die Siedlung sträflich vernachlässigt und hat erst im Jahr 1977 aufgrund der Initiative einzelner Personen den ihr gebührenden Stellenwert zurückerhalten. Von den einstmals 21 Gebäuden sind heute noch 11 erhalten.
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