Der Frühling bricht an
Für Dimitrij Bobyschew
Die berüchtigte Nadel im nicht minder berühmten
Schober,
im Halblicht der Stadt, im Plätschern, im Tosen
ein dünnes Liedchen des Todes.
Das Flutlicht der Strassen, das Flutlicht der Strassen
wird uns stets diese Stadt, dieses Wasser zeichnen,
und das kurze Pfeifen an den schmalen Fassaden,
das nach oben fliegt, hinaus in die Freiheit.
Das Mädchen Erinnerung streunt durch die Stadt,
Münzen klingeln in ihrer Hand,
die toten Blätter torkeln wie Rubel und kippen,
über den Reklameschildern fliegen schmale Flugzeuge
himmelan,
wie die Vögel der Stadt über eisernen Schiffen.
Gewaltiger Regen ergiesst sich über den März, der Regen
der Ausfallstrassen,
wie in jenen Tagen der Rückkehr, die wir niemals vergessen.
Jetzt gehst du allein, gehst allein über das Pflaster,
und dir entgegen fliegen glitzernde Autodächer.
So geht das Leben vorbei, das Licht über der Bucht wird
zager,
kleiderraschelnd, vielnamig mit den Absätzen trippelnd,
und du bleibst mit diesem Volk, mit dieser Stadt,
diesen Jahren,
ja, Auge in Auge, wer du sein magst immer.
Das Mädchen Erinnerung streunt durch die Stadt,
der Tag geht unter,
das Tuch ist zum Auswringen, es strömt der Regen,
das Mädchen Erinnerung betrachtet im Schaufenster
die Wäsche des Jahrhunderts,
und schrill pfeift diese ewige Melodie inmitten des Lebens.
Josif Brodskij
~~
(...)
Und nichts erscheint mehr im Traum, auf dass bloss
weniger sei, sich seltener etwas erfülle, Mobiliar
die Zeit nicht verschmutze. Ein ärmlicher Häuserblock
nervt durchs Fensterglas sein Gegenüber, merkt
sichs Gesicht des Bewohners, verstockt
empfindet es jener umgekehrt.
Und schamanengleich dreh ich mich im Raum,
wickle seine Fäden leis
auf die Spule um mich herum,
dass die Seele etwas erfährt, was Gott allein weiss.
Josif Brodskij
~~
Das ist einfach, das ist klar,
Jeder weiss, versteht es, du
liebst mich gar nicht, liebst nicht mich,
Wirst mich niemals lieben.
Und warum denn solls mich zu
Einem Fremden ziehn, warum
Soll für einen ich wie dich
jeden Abend beten?
Warum irr ich, hab den Freund,
Hab das Kind mit schwarzem Haar,
Hab die Stadt, die liebt ich doch,
Hab meine Heimat verlassen –
Irr als dunkle Bettlerin
Durch die Hauptstadt?
Ach so gut,so froh zu denken,
Wie bald ich dich wieder seh!