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| Serie I Der Frühling bricht an Für Dimitrij Bobyschew Die berüchtigte Nadel im nicht minder berühmten Schober, im Halblicht der Stadt, im Plätschern, im Tosen ein dünnes Liedchen des Todes. Das Flutlicht der Strassen, das Flutlicht der Strassen wird uns stets diese Stadt, dieses Wasser zeichnen, und das kurze Pfeifen an den schmalen Fassaden, das nach oben fliegt, hinaus in die Freiheit. Das Mädchen Erinnerung streunt durch die Stadt, Münzen klingeln in ihrer Hand, die toten Blätter torkeln wie Rubel und kippen, über den Reklameschildern fliegen schmale Flugzeuge himmelan, wie die Vögel der Stadt über eisernen Schiffen. Gewaltiger Regen ergiesst sich über den März, der Regen der Ausfallstrassen, wie in jenen Tagen der Rückkehr, die wir niemals vergessen. Jetzt gehst du allein, gehst allein über das Pflaster, und dir entgegen fliegen glitzernde Autodächer. So geht das Leben vorbei, das Licht über der Bucht wird zager, kleiderraschelnd, vielnamig mit den Absätzen trippelnd, und du bleibst mit diesem Volk, mit dieser Stadt, diesen Jahren, ja, Auge in Auge, wer du sein magst immer. Das Mädchen Erinnerung streunt durch die Stadt, der Tag geht unter, das Tuch ist zum Auswringen, es strömt der Regen, das Mädchen Erinnerung betrachtet im Schaufenster die Wäsche des Jahrhunderts, und schrill pfeift diese ewige Melodie inmitten des Lebens. Josif Brodskij (...) Und nichts erscheint mehr im Traum, auf dass bloss weniger sei, sich seltener etwas erfülle, Mobiliar die Zeit nicht verschmutze. Ein ärmlicher Häuserblock nervt durchs Fensterglas sein Gegenüber, merkt sichs Gesicht des Bewohners, verstockt empfindet es jener umgekehrt. Bild 02 Und schamanengleich dreh ich mich im Raum, wickle seine Fäden leis auf die Spule um mich herum, dass die Seele etwas erfährt, was Gott allein weiss. Josif Brodskij Bild 03 / 03a Das ist einfach, das ist klar, Jeder weiss, versteht es, du liebst mich gar nicht, liebst nicht mich, Wirst mich niemals lieben. Und warum denn solls mich zu Einem Fremden ziehn, warum Soll für einen ich wie dich jeden Abend beten? Bild 04 Warum irr ich, hab den Freund, Hab das Kind mit schwarzem Haar, Hab die Stadt, die liebt ich doch, Hab meine Heimat verlassen Irr als dunkle Bettlerin Durch die Hauptstadt? Ach so gut,so froh zu denken, Wie bald ich dich wieder seh! Bild 05 / 06 Serie II In memoriam Fedja Dobrowolskij Wir fahren fort zu leben. Wir lesen oder schreiben Gedichte. Wir sehen uns schöne Frauen an, die aller Welt zulächeln vom Titelblatt der Illustrierten. Auf dem langen Heimweg durch die Stadt, frierend, in der rumpelnden Strassenbahn, denken wir über die Freunde nach. Wir fahren fort zu leben. Manchmal sehen wir Bäume, die mit schwarzen entblössten Armen die Last des Himmels tragen oder unter der Last des Himmels zusammenbrechen, der nachts aussieht wie die Erde. Wir sehen Bäume ausgestreckt am Boden liegen. Bild 09 Wir fahren fort zu leben. Wir, mit denen du lange über moderne Malerei sprachst oder auf dem Newskij Bier trankst, denken nur selten an dich. Wir tun uns dann selber leid, unsere krummen Rücken, unser stark mitgenommenes Herz, das sich schon im dritten Stockwerk unangenehm bemerkbar macht. Eines Tages wird ihm dem Herzen etwas zustossen. Dann wird sich einer von uns, achttausend Kilometer westlich von dir, auf dem schmutzigen Asphalt hinstrecken, seine Bücher gleiten ihm aus der Hand, und das letzte, was er sieht, sind beunruhigte Dutzendgesichter, ein Stück Hauswand, ein an Drähten hängender Fetzen Himmel: Himmel, der sich auf die gleichen Bäume stützt, die wir manchmal wahrnehmen. Josif Brodskij Bild 07 / 08 (...) Städte gibts, die man nur einmal aufsucht. Deren Fenster halten selbst die Sonne fern, als wären es Spiegel, das heisst: dort lässt sich keiner stören. Stetig rauscht der Fluss unter allen sechs Brücken. Dort können Lippen für einmal Lippen beglücken. Bild 09 Dort kann der Stift auf dem Papier vorrücken. Dort findet grelles Licht Arkaden und Drachen zum Spielen. Dort an den Haltestellen, sprechen allzu viele in der Sprache dessen, der aufbrach zu anderen Zielen. (...) Josif Brodskij Bild 10 / 11 / 12 (...) Noch immer bleibt die Möglichkeit, hinaus- zutreten auf die Strasse, deren braune Länge deinen Blick besänftigt mit Portalen, mit der Strenge kahler Bäume, mit blitzenden Pfützen und Ein und Aus. Ein Lüftchen sträubt mir auf dem Glatzkopf eine Strähne, und die Strasse läuft zu einem V aus in der Ferne, wie ein Gesicht vom Scheitel bis zum Kinn, ein Hunde- Bild 13 tier dreht bellend wie ein Papierball im Wind seine Runde. Ein Strassenzug. Die einen Häuser sind wohl besser als die anderen die Auswahl in den Fenstern ist grösser. Besser nur schon deshalb, weil sie dich nicht hindern, den Verstand da draussen zu verlieren statt dort drinnen. (...) Josif Brodskij Bild 14 / 15 Serie III Definition der Poesie Sich Landschaften einprägen aus den Zimmern der Frauen, aus den Wohnungen der Verwandten, aus den Direktionsräumen der Kollegen. Sich Landschaften einprägen hinter den Gräbern der Mitgläubigen. Sich Landschaften einprägen, über die sich langsam der Schnee senkt, wenn man uns zur Liebe aufruft. Sich den Himmel einprägen, der auf dem nassen Asphalt liegt, wenn man uns an die Liebe zum Nächsten erinnert. Sich einprägen, wie die am Glas abfliessenden trüben Regenschlieren die Proportionen der Gebäude verzerren, wenn man uns erklärt, was wir zu tun haben. Sich einprägen, wie über die wenig wohnliche Erde das Kreuz die letzten geraden Arme streckt. In der Mondnacht sich einprägen eines Baumes oder Menschen langen Schatten. In der Mondnacht sich einprägen die schweren Wellen des Flusses, die wie die Falten abgetragener Hosen glänzen. Und wenn der Morgen graut, sich den weissen Weg einprägen, von dem die Wachsoldaten abbiegen, sich einprägen, wie die Sonne aufgeht über den fremden Nacken der Soldaten. Josif Brodskij Bild 16 / 17 Bild 18 / 19 Doch unsere Trennung ist nur eine Täuschung: Wir beide sind unzertrennlich, mein Schatten Liegt auf deinen Mauern, mein Bild, Spiegelt sich in deinen Kanälen, Bild 20 Und in den Sälen der Eremitage Gehen meine Schritte und die meines Freundes, (...) Bild 21 / 22 Bild 23 / 24 (...) Dieser Herbst, wie durchstürmt er das Jahr, da ich aufgab zu wohnen, am gebeinweissen Himmel entlang, schwarz und rot, ziehen stumm Prozessionen, immer fliegen die Blätter vorbei an den starrenden Bäumen, schlagen Glas, schlagen Rasen und Stein urbanistische Träume. (...) Josif Brodskij Sankt Petersburg St. Petersburg Leningrad Russland Anna Achmatowa Marina Zwetajewa Ossip Mandelstam Andrej Tarkowskij Alexandr Sokurov Alexander Sokurov Daniil Charms St. Peterburg Saint Peterbourg Saint Peterburg Saint Petersburg Petrograd Newskij Prospekt UDSSR Lenfilm Ost Europa Ost-Europa russische Kunst Kino Kinoteatr Snanje Snanie Moscow Art Theatre east europe easteurope eastern europe easterneurope russia russian art cinema movie movies pictures Josif Brodskij Josef Brodskij Josiff Brodskij Jossif Brodskij Brodsky Brodskj Gumiliow Boris Pasternak Achmatova Akhmatova Akhmatowa Osip Fjodor Dostojewskij Dostojewsky Dostojevskij Dostoyevsky Lermontov Sokurow Sokurov Sakurow Sakurov Viktor Victor Kossakowskij Kossakovskij Kosakowskij Andreij Tarkovskij Tarkovsky Tarkovskj Slawistik Pushkin Puschkin Daniel Paul Marcel Rusakov Russakov Rusakow Russakow Akhmatova Bunin Blok Brodsky Chekhov Dostoevsky Gumilev Mandelstam Mayakovsky Alexandr Pushkin Ratushinskaya Turbina Tsvetayeva Zwetajeva Zvetajewa Zvetajeva Zvetayeva Zwetayeva Voznesensky Yesenin Yevtushenko Asimov Babel Bakunin Saul Bellow Blavatsky Bulgakov Bunin Chaadayev Chekhov Ehrenburg Gogol Maxim Gorky Herzen Karadzzic Lermontov Anatoly Lunacharsky Malamud Merimee Boris Pasternak Radishchef Ayn Rand Shklovsky Sholem Aleichem Sholokhov Struve Leo Tolstoy Velikovsky Voznesensky Zweig |
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